Freitag, 16. Mai 2008

Weinreisende willkommen!

Solchen Besuch bekommt man gerne. Mit einem Karton Wein unter dem Arm und auf der Durchreise. "Hallo, wir waren gerade in Istrien und fahren jetzt in die Provence ... hier ein kleines Mitbringsel ... kommen auf der Rückfahrt wieder vorbei ... und Tschüss!" Gibt es nicht auch in der Provence tollen Wein?

Koslovic
Netter Karton, netter Wein.

Die erste Flasche ist vielversprechend. Ein 2007-er Malvasia von Kozlović, einem 17-Hektar-Familienbetrieb, der laut Homepage mit "Ökomethoden" arbeitet. Der Malvasia Istriana ist mit 60 % die Hauptrebsorte des Weinguts.

Der Wein ist sehr dicht und konzentriert, fast cremig, dabei nicht ohne Eleganz. In der Nase Papaya und Heublumen. Ein Maul voll Grapefruit und mediterrane Kräuter im Abgang. Sehr vielschichtig und tief. Der Kroatische Weinbau ist wohl nicht nur vom Hörensagen auf dem Vormarsch.

Dienstag, 13. Mai 2008

Weinrallye in Gottes Namen

Die Zusammenfassung der 11. Weinrallye ist bei Niko abzurufen, zum Motto der 12. Runde hat sich Rallye-Gründungsvater Thomas Lippert vom Winzerblog wohl durch das Pfingstfest und die 12 Apostel inspirieren lassen, auf die bekanntlich der Heilige Geist hernieder fuhr: Weinrallye im Namen Gottes. Das Thema klingt schwieriger, als es ist und hat das Potential, zu einem Weinrallye-Highlight in 2008 zu werden.

Samstag, 10. Mai 2008

Weinrallye #11: Weißherbst bei Tag und bei Nacht

Meinen Wein zur elften weinrallyeLogoklein habe ich zu später Stunde geöffnet, um den sommerlichen Frühlingstag bei einem Schluck Wein auf dem Balkon ausklingen zu lassen. Schwupps, da war die Flasche fast leer (Nein, ich war nicht alleine!). Da ich keinerlei Lust auf das Anfertigen einer Verkostungsnotiz verspürte, sondern einfach nur mal abhängen wollte, griff ich zum Korken und rettete das Überbleibsel in der Flasche für den nächsten Tag.

Ros-RallyebeiNacht
Die Rallye startete bei Kerzenschein ...

Den wichtigsten Test absolvierte der 2003-er Spätburgunder Weißherbst "Müllheimer Sonnhalde" Kabinett trocken vom Weingut Hermann Dörflinger somit mit Bravour: Der Wein macht Trinklaune und ist bekömmlich. Am folgenden Mittag kochte ich mir flink ein paar Spaghetti mit Pesto Rosso und verkostete dazu den Rest aus der Flasche.

Ros-Rallye
... und endete am folgenden Tag beim Reste-Trinken in farblicher Harmonie

Was unterscheidet eigentlich Weißherbst von Rosé? Nach dem deutschen Weinrecht muss Weißherbst zu 100 % aus Trauben einer Rebsorte gekeltert werden, die aus nur einer Weinbergslage stammen. In Baden ist der Ruf von Weissherbst weitgehend ruiniert. Es gibt nur wenige Winzer, die Weißherbst nicht als Resteverwertung von mit Botrytis befallenen Rotweintrauben ansehen. Hermann Dörflinger ist einer von dieser seltenen Spezies. Seine konsequent trockenen Weine sind Spätentwickler, die oft erst nach mehreren Jahren Flaschenreife die Höchstform erreichen. Das trifft auch auf den 2003-er Spätburgunder Weißherbst zu, die letzte von einstmals 6 Flaschen in meinem Keller.

Ich notiere: Schönes leuchtendes Hellrot mit bräunlichen Reflexen. In der Nase Wassermelone und etwas Harz. Reif und rund mit einer feinwürzigen Holznote. Die Frucht ist altersbedingt in den Hintergrund getreten. Kein wahrnehmbarer Restzucker, ein selten trockener Weißherbst. Der Wein trägt ein ordentliches Stück zur Rettung des Rufes dieser Rosé-Spielart bei!

Freitag, 9. Mai 2008

Erinnerung: Die rosarote Weinrallye #11

Die 11.weinrallyeLogoklein, ausgerufen von Nikos Weinwelten, geht morgen auf die Strecke. Das Thema ist der Rosé, das passende Wetter zur Rallye hat Niko erfolgreich geordert. Als "Terrassenwein" wird Rosé ja besonders im Sommer gerne konsumiert, das ist auch bei mir nicht anders.

TV-Tipp: Wein.Gut

Markus Schneider, Oliver Spanier und Klaus-Peter Keller zählen zu einer neuen Winzergeneration. Sie entwickeln eigene Ideen jenseits alter Traditionen, sind kreativ und mit ihren Weinen enorm erfolgreich. Der ZDFdokukanal stellt die drei "jungen Wilden" am Samstag in der dreiteiligen Mini-Sendereihe Wein.Gut vor.

Wein.Gut, zu sehen im ZDFdokukanal am 10.Mai um 10:15, 10:30 und 10:45.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Die Testschmecker kommen!

Gemeinsam mit dem BesteBioWeine-Blogger und Journalisten Joachim Ott habe ich ein neues Projekt ins Leben gerufen: Den Blog testschmecker.de. Es wird gekocht, gebacken, verkostet und debattiert. Schwerpunkt der Testschmecker ist die sensorische Beurteilung von ökologisch erzeugten Lebensmitteln, besonders im Fokus liegen hierbei die immer zahlreicheren Produkte aus den Supermärkten und dem Discount. Die Beta-Version ist bereits mit einigen Beiträgen angereichert und online.

TestschmeckerBild

Der Bio-Wein wird natürlich auch eine nicht ganz unwichtige Rolle einnehmen. Randnotizen unserer Bemühungen um ein gutes ökologisches Leben, Hintergrundberichte und Branchen-News werden die weiteren tragenden Säulen von testschmecker.de sein. Dogmatismus und Verbissenheit liegen uns nicht, so dürfen auch Humor und Selbstkritik nicht fehlen. Wir Testschmecker sehen unsere Aufgabe ganzheitlich.

Fein, feiner, FINE?

Heute flatterte mir unaufgefordert die deutschsprachige Erstausgabe des European Fine Wine Magazine in den Briefkasten. Was soll ich dazu sagen? Es ist allgemein bekannt, dass die oberen Zehntausend mittlerweile die oberen Hunderttausend sind, bei gleichzeitigem Schwund der Mittelschicht und rapidem Wachstum der Unterschicht. Überspitzt formuliert bleibt uns in naher Zukunft nur noch die Wahl zwischen Aldi-Wein und Château Petrus. Somit könnte FINE durchaus ein feiner Erfolg werden. Soweit meine streng trocken-analytische Sichtweise.

Fine
Feines FINE: Schlossbesitzer (vor Schloss) machen Weine für Schlossbesitzer

Als fühlender Mensch überkommt mich beim ersten Durchblättern allerdings das kalte Grausen. Die ersten vier (!) Doppelseiten des FINE Weinmagazins sind Werbeanzeigen für Luxusgüter: ist die erste noch voll prollig vom neuen 5-er BMW belegt, wirbt die vierte schließlich -endlich standesgemäß- für fette Motoryachten. Es folgen massenhaft per Computer sterilisierte Fotos von Schlössern, Schlossbesitzern und coolen Fotomodellen, die noch auf ein Schloss sparen. Das einzig mir sympathische Gesicht ziert bezeichnenderweise eine Bierwerbung. Der wohlbeleibte Herr ist ja auch Chef der Sylter Sansibar, in der es immerhin auch Currywurst gibt oder zumindest einmal gab - noch dazu eine richtig gute.

Da bleibe ich hübsch hartnäckiger Verfechter einer gesunden Mittelschicht. Zumindest solange es geniale wie erschwingliche Weine auch für Bewohner von schlichten Mietwohnungen gibt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Der Schreiber

Lars2007-2

Lars Breidenbach
Texter, Winzer & Weinjournalist

XING

Frisch kommentiert

Klingt sehr spannend...
Klingt sehr spannend :-)
Wolf (anonym) - 13. Mai, 17:42
Die Unterschicht, also...
Die Unterschicht, also die Menschen, die unter dem...
Wolf (anonym) - 13. Mai, 09:56
Filme online abrufbar
Die 3 Filme sind jetzt auch online beim ZDFdokukanal...
LarsB - 13. Mai, 09:44
RosaRote Sonne
und ich kann Dir sagen, die Sache mit dem Wetter war...
Niko (anonym) - 9. Mai, 15:08
Tschuldigung!
beim Verfassen meines Kommentars auf den Fine-Artikel...
Iris (anonym) - 9. Mai, 11:00

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