Samstag, 6. Oktober 2007

Stuart Pigott: Wein spricht deutsch (2/2)

Nachdem ich mich im ersten Teil der Rezension mit dem Gewicht, dem Umfang und der Optik des Buches beschäftigt habe, folgt hier die inhaltliche Besprechung.

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Am Anfang der 45 Seiten starken Einleitung proklamiert Pigott eine gemeinsame deutschsprachige Weinkultur für Deutschland, Österreich, Südtirol, Luxemburg, die deutschsprachige Schweiz, Liechtenstein und sogar für das Elsass. Dieses Konstrukt steht allerdings auf äußerst wackeligen Beinen. So behauptet der Autor: "Es mag überholt klingen, wenn Winzer so entschieden neuen und alten technischen Gestaltungsmethoden beim Wein den Rücken kehren, aber dieser Geist lebt und ist sogar heute eindeutig spürbarer als noch vor einer Generation. (...) Sicher, "Winemaking" und "Wine-Design" findet manchmal auch hier statt, aber das sind Ausnahmen ... wo dies Programm ist, haben wir es mit drittklassigen Erzeugern oder mit schwarzen Schafen zu tun." Daraus resuliert für Pigott eine Abgrenzung zur Weinkultur der romanischen Länder. Im Kern des Buches findet der kundige Leser allerdings dann einige erwähnte Betriebe, wie zum Beispiel das Weingut Johner vom Kaiserstuhl, die die technische Mostkonzentration per Umkehrosmose oder Vakuumverdampfung zur Erzeugung ihrer Spitzenweine schon in vielen Jahrgängen systematisch einsetzten. Nicht nur hier hinkt die Beweisführung für eine deutschsprachige Weinkultur, die es so sicher nicht gibt, ganz gewaltig. Und sie ist auch schlicht unnötig.

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Denn das Konzept des Buches funktioniert im Grunde ganz ohne das Ausrufen einer gemeinsamen Weinkultur. Es ist ein ungemein fachkundiger und in diesem Umfang noch nie dagewesener Führer durch die deutschsprachigen Weinbauregionen. Das Terroir, die Summe aller Einflüsse auf den Wein, wird von den Autoren gründlichst untersucht. Und sie geben Aufschluss darüber, warum der Wein eines Winzers in einem bestimmten Gebiet so schmeckt wie er schmeckt. Dem Leser wird vor Augen geführt, dass wirklich guter Wein kein beliebiges und seelenloses Massengetränk sein kann. Die Persönlichkeit der Produzenten, das Klima und die Beschaffenheit der Weinberge verleihen dem Wein in erster Linie den Charakter, der ihn auszeichnet. Das sind die Stärken des Werkes, hier haben die 6 Autoren auf 640 Seiten erstklassige Arbeit geleistet.
Sicher fehlen einige Weingüter, die es auch verdient gehabt hätten, erwähnt zu sein. Aber das ist in einer nur subjekt zu treffenden Auswahl unvermeidlich. Entdeckungen guter Betriebe und schöner Weine kann man auch ohne die einschlägigen Führer machen, Wein spricht deutsch ist aber mit dem sehr gut aufbereiteten Hintergrundwissen ein gewichtiger Meilenstein der deutschen Weinliteratur.

Der Schreiber

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Lars Breidenbach
Autor, Texter & Winzer

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Frisch kommentiert

Für den Praktiker...
... war das Rätsel natürlich zu leicht! Da...
LarsB - 3. Jul, 19:05
Eine Pheromonampulle? Grüße B ernhard
Eine Pheromonampulle? Grüße B ernhard
Bernhard (anonym) - 3. Jul, 18:01
Schreiben..
..brauchst eh nicht so viel, aber ein (oder zwei) Cartoon(s)...
vinissimus - 1. Jul, 12:53
Ich glaube es geht einigen...
Ich glaube es geht einigen Bloggern gerade so. Ich...
Charles B. (anonym) - 1. Jul, 10:34
So was ähnliches...
So was ähnliches hab ich mir auch vorgenommen....
hausmannskost2.0 - 1. Jul, 09:57

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