Was wächst denn da? Die seltsamen Blüten der Agrarsubventionen

Das Kraut im Bild ist offiziell ein großer Feind der Volksgesundheit und wird mit teuren Kampagnen der EU-Gesundheitsminister bekämpft: Tabak. Hier in der Rheinebene südlich von Freiburg wird er immer noch großflächig angebaut, dank -kaum zu glauben, aber wahr- der EU-Agrarsubventionen! Unsinniger kann Politik wohl nicht sein. Könnte man meinen, aber versuch dir mal folgendes vorzustellen:
Du bist Winzer in einem netten kleinen Dorf in einem armen Agrarland und produzierst in harter Arbeit einige tausend Flaschen guten Weins. Jetzt möchtest du den nicht alleine trinken und deine kranken Kinder benötigen dringend teure Medikamente. Du stellst dich also auf den Wochenmarkt, um einige Flaschen gewinnbringend an deine Mitmenschen zu veräußern. Jeweils links und rechts am Nachbarstand steht ein Verkäufer, der importierten Wein aus einem dir fremden Kontinent feilbietet, in guter Qualität und im Preis wesentlich günstiger als der den du erzielen müßtest, um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und dieser Wein wird im Herkunftsland nur dank großzügiger staatlicher Subventionen so billig erzeugt.
Also bleibst du auf deinem Wein sitzen und gibst deine Landwirtschaft auf. Vielen Produzenten in deiner Nachbarschaft ergeht es genauso, die Armut in der Region wächst. Um zu überleben verkaufen nun die Frauen aus deinem netten kleinen Dorf ihre Körper an die reichen Importeure, vier deiner fünf Kinder sterben unterernährt und geschwächt an Krankheiten. Du wirst zum desillusionierten Säufer und siehst im Fernseher über dem Tresen der Dorfkneipe Bilder über ein Treffen der mächtigsten Politiker der Erde. Die tragen schöne Anzüge, lachen, schütteln Hände und plaudern über die Weltwirtschaft und das Weltklima. Doch das läßt dich völlig kalt. Denn nichts wird sich für dich ändern.
Diese Fantasie ist leider die Realität in vielen afrikanischen Staaten dank -ja, genau- der EU-Agrarsubventionen. Natürlich nicht beim Wein, sondern bei überlebens-wichtigeren Nahrungsmitteln, wie bei Obst,Gemüse und Milchprodukten.
Im europäischen Weinbau wurde durch Subventionen die Erzeugung von Übermengen gefördert, die anschließend wiederum mit EU-Geldern zu Industriealkohol destilliert werden. Auch ein Hauptgrund für die jetzige Misere der südfranzöschen Winzer, die nach dem Versiegen der Subventionsquelle an der Armutsgrenze leben und in Zukunft Rodungsprämien von der EU bekommen sollen wenn sie ihre Weinstöcke herausreißen. Sie können sich ja in Zukunft auf den Tabakanbau verlegen...
LarsB - 7. Jun, 13:08





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