Von der Wichtigkeit der guten Zutat: Insalata Caprese

Es gibt wohl kaum ein Gericht bei dem es mehr auf die richtigen Ingredienzen ankommt als bei der "Insalata Caprese", zu deutsch Tomaten mit Mozzarella und Basilikum. Mit den richtigen Zutaten ist die Speise in den italienischen Nationalfarben ein geniales Geschmackserlebnis, wer hier allerdings am falschen Ende spart bringt nur ein langweiliges und fades Einerlei auf den Tisch.
Das sind also die Grundstoffe meiner Wahl: Ein Mozzarella di Bufala Campana muss es sein und kein anderer - schon gar nicht dieses gummiartige und geschmacklose Zeug aus deutscher Produktion, das höchstens als Pizzabelag zu gebrauchen ist.

MozzDOC
Im Zeichen des Büffels: Der gute Mozzarella

Die idealen Tomaten für den Caprese sind Ochsenherz-Tomaten. Leider werden die nur sehr selten auf dem Markt angeboten, so können es auch Strauch- oder Eiertomaten sein, dann aber unbedingt aus dem Freilandanbau. Bei mir gibt es Tomatensalat in jeder Form ausschließlich im Sommer und da ich auf dem Land wohne kaufe ich bevorzugt direkt beim Bauern ein. Ein Gros der Tomaten, die in den Supermärkten und Discountern angeboten werden, wachsen nicht mehr in der Erde, sondern in einer Nährlösung aus Wasser und Dünger. Deshalb schmecken diese roten "Schneebälle" vom Tropf auch nach nichts und der Mineraliengehalt strebt gegen Null. Das es tausende von Sorten in den unterschiedlichsten Farben und Geschmacksrichtungen gibt, ist den meisten Verbrauchern auch weitgehend unbekannt. In Österreich lebt der "Kaiser der Paradeiser" Erich Stekovic, der schon über 3000 Tomatensorten angebaut und das Saatgut für die Nachwelt archiviert hat. Seine Bildergalerie ist in dieser Hinsicht bemerkenswert und Augen öffnend. Einen sehr schönen (und sortenreichen) Tomaten-Blog möchte ich hier auch noch empfehlen: Die Lektüre von Tomatl.net macht Lust, im nächsten Jahr auch ein paar Quadratmeter Boden oder einige Töpfe mit Nachtschattengewächsen zu bepflanzen!

Blog-Event XXVI: Tomaten

Eine weitere Zutat, deren Qualität nicht minder wichtig ist: kaltgepresstes Olivenöl, fruchtig und frisch. Und natürlich Salz, im Idealfall gemahlenes Fleur de Sel, das ist aber für das Gelingen der Insalata Caprese ganz sicher nicht entscheidend. Jedes andere Salz erfüllt hier auch den Zweck. Jetzt noch frisch gemahlener Pfeffer und noch frischere Basilikumblätter. Das war´s dann auch schon mit den Zutaten. In Deutschland wird gerne noch Aceto di Balsamico auf die Tomaten geträufelt, die Italiener sind da eher Puristen. Ich stehe da zu meinem Deutschtum und träufele mit, allerdings nur hochwertigen milden Aceto aus Modena. Auch hier gilt unbedingt: Keine Billig-Plagiate, die schmecken meist dünn und zeichnen sich durch eine unangenehm scharfe Säure aus.

Tommozzschmal
In den italienischen Nationalfarben: die Insalata Caprese

Mein persönlicher Tipp ist noch die Zugabe von einem Schuss Salzlake des Mozzarellas, das mehrt die Sauce und rundet sie geschmacklich ab. Jetzt noch schnell die richtige Reihenfolge der Zubereitung, die sich für mich vor allem aus optischen Gründen empfiehlt: Tomaten, (Aceto di Balsamico), Salz, Pfeffer, Olivenöl, Mozzarella, (Salzlake), Basilikum. Zur Insalata Caprese reiche ich mit Olivenöl gebackenes Ciabatta-Brot. Nur das verdient auch den Namen Ciabatta, genauso wie Feta ausschließlich für mit Ziegenmilch verfeinerten griechischen Schafskäse stehen sollte. Und dank einer neuen EU-Regelung wird das ab Mitte Oktober auch endlich so sein. Der als Feta deklarierte Kuhmilchkäse aus Dänemark oder Deutschland, jetzt immer noch unter dem Motto "Hauptsache billig" als Massenware im Kühlregal anzutreffen, bekommt dann einen passenderen Namen: Zur Auswahl stehen u.a. Salzlakenkäse, Schipka, Weißer Käse und Balkankäse. Nun aber genug der Abschweifung:
Welcher Wein kann den Insalata Caprese nun gebührend begleiten? Heute habe ich es mit dem Hahnenschrittchen Riesling vom Weingut Steffens-Keß probiert. Diese Kombination ist nicht optimal, die kräftigen Aromen des Rieslings spielen sich zu sehr in den Vordergrund. Ein schön gekühlter und feinfruchtiger Rosé oder Sekt sollte die eindeutig bessere Wahl sein. Ich freue mich auch über Alternativ-Vorschläge hier in den Kommentaren!
Zorra - 2. Aug, 09:58

Sieht lecker aus dein Caprese.

Und ich warte immer noch sehnsüchtigs darauf, dass meine Tomaten rot werden. Jeden zweiten Tag 1, da kommt man nicht weit. ;-) Dafür geht's jetzt schnell mit den Trauben.

Matthias Metze (anonym) - 2. Aug, 10:47

Tomaten und Wein

Die Insalata Caprese zeigt, was ich an der italienischen Küche so schätze: die Einfachheit - wichtig ist nur, dass man hochwertige Zutaten verwendet. Die sind natürlich leichter zu bekommen, wenn man auf dem Land wohnt (wie ich auch) und direkt beim (Bio-)Bauern einkaufen kann.

Ein Problem ist allerdings die Kombination von Tomaten und Wein. Kürzlich auf der Terasse hatten wir etwas zu feiern, und es gab ein Glas Champagner (demeter von Fleury) dazu. Das ging gut ;-) Vorstellen könnte ich mir auch einen milden Soave.

Herzliche Grüße
Matthias

LarsB - 2. Aug, 15:05

Ich dachte auch schon an einen Sekt oder Wein mit etwas Restsüße, das sollte die Säure von Essig und Tomaten "abmildern".
Mike Seeger (anonym) - 2. Aug, 12:17

Gratuliere!

Unter der Vielzahl von Caprese-Rezepten endlich mal ein originales! Was man sonst so in der weiten Welt des Internets an Rezepten für Mozzarella mit Tomaten und Basilikum vorgesetzt bekommt ist oft eher grausig. Büffelmozzerella ist auch mein Favorit, allerdings habe ich Verständnis dafür, wenn jemend den nicht mag. Dann bekommt er halt den Kuhmilchmozzarella. Zum Balsamico: Es gibt (leider) auch aus Modena mindere Qualitäten, die nicht zu solchen Genüssen taugen. Einen "Tradizionale" würde ich aber auch nicht verwenden wollen, der passt besser zu gereiftem Pecorino oder zum Parmesan. Ein drei bis fünf Jahre alter Balsamico, der ohne Zuckkercouleur und Farbstoffe auskommt ist da geeigneter. Man muss halt etwas suchen.
Zum Olivenöl: Da das Gericht aus dem Süden Italiens kommt, sollte man auch ein Öl von dort nehmen. Die Öle zeichnen sich durch besondere Fruchtigkeit aus und haben viel Aroma, sodass der Balsamico eigentlich überflüssig ist, und die Säure der Tomaten ausreicht. Allerdings ist für "Olivenölanfänger" das Öl wohl gewöhnungsbedürftig.
Als Wein dazu bevorzuge ich einen trockenen Moscato aus dem Veneto, der sehr gut mit dem fruchtigen Olivenöl harmoniert. Auch der schon angesprochene Soave passt gut dazu, ebenso wie eine einfacher trockener Bianco di Toscana.
Herzliche Grüße

LarsB - 2. Aug, 14:59

Moscato ist eine prima Idee, da habe ich auch noch einen im Keller und werde das bei nächster Gelegenheit ausprobieren!
Henry (anonym) - 2. Aug, 15:38

Dankeschön!

Hallo Lars,

Danke für die nette Empfehlung und Beschreibung meines kleinen Tomaten-Blogs! Das freut den Schreiberling Henry. :-)

Mit Deinen professionellen Fotos kann ich aber leider nicht mithalten, Deine Bilder sind echt spitze!

Beste Grüße
Henry vom Tomatl.net

LarsB - 2. Aug, 20:46

Ich finde deine Fotos prima, es muss ja nicht immer alles so perfekt durchgestylt sein ;-) Herzliche Grüße
lamiacucina (anonym) - 2. Aug, 17:19

Danke

für den Beitrag in den kochtopf ! Gerade bei Gerichten wie dem Insalata Caprese, der oft in mediokrer Qualität angeboten wird, brauchts deutliche Worte. Noch was: Mozzarella nicht eiskalt, sondern bei Raumtemperatur servieren, dann entfaltet er sich geschmacklich. lg. Robert

mutant - 16. Aug, 12:46

alles gut und schoen, aber wie lange war die bufala unterwegs?
das wichtigste an mozzarella ist die frische und das gilt fuer die bufala gleich doppelt.

ich mag uebrigens einen spritzer zitrone statt balsamico an der caprese, und wenn kein basilikum zur hand ist, geht auch frische glatte petersilie.
anders, aber auch gut. (balsamico habe ich eh erstmals in deutschland aufgetischt bekommen, bei uns in nordpiemont hat da keiner aktien drin).

Claudia (anonym) - 19. Aug, 13:34

Wie wahr, wie wahr. Gerade die Tomatenfrage ist hierzulande noch nicht befriedigend gelöst. Hatte kürzlich eine Ochsenherztomaten bekommen (siehe http://www.tomatenblog.de ), die wirklich gut schmeckte. Gestern in der Metro: Hauptsächlich grüne Ochsenherz-Tomaten im Angebot. Nix für mich. Das Dilemma beim Ochsenherz: Reif sind die Früchte aufgrund ihrer Form kaum für den Transport zu gebrauchen.

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Lars Breidenbach
Texter, Winzer & Weinjournalist

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und ich kann Dir sagen, die Sache mit dem Wetter war...
Niko (anonym) - 9. Mai, 15:08
Tschuldigung!
beim Verfassen meines Kommentars auf den Fine-Artikel...
Iris (anonym) - 9. Mai, 11:00
Luxus und Sozialkritik?
Hey, feiert Ihr das 40. Jubiläum der 68er Bewegung,...
Iris (anonym) - 9. Mai, 10:56
Ihr habt vielleicht Geschmacksnerven!
Viel Erfolg mit dem Blog und viel Spass beim Testen!
Claudio (anonym) - 8. Mai, 13:55
Der humane Weg
Die Bezeichnung human gefällt mir in diesem Zusammenhang....
LarsB - 8. Mai, 11:26

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