Hühnersuppe, Philosophie und Chardonnay

Wer noch nie eine Hühnersuppe gekocht hat, weiß nichts vom Leben.

Diese provokante These stelle ich einfach mal so in den Raum. Die Zubereitung einer wohlschmeckenden Hühnerbrühe ist für mich elementares Kochen. Wenn ich etwas kränkle im Winter, schwöre ich gar auf die Heilkraft dieses Gerichts. Und die Zubereitung ist ein lieb gewonnenes Ritual, meditatives Arbeiten mit Zeit zum Philosophieren.

Ein Suppenhuhn ist in der Regel eine ausgediente Eierlegerin. Ich stelle mir vor, dass beim Unterschreiten einer bestimmten Quote ein Computer das Todesurteil fällt. Erlös Eier minus Futter- und Energiekosten ist gleich ein minus unter dem Strich: Nummer 3007457 ist nicht mehr produktiv genug. Zack und Rübe ab!

Mich überkommen jedes mal Greuel, wenn Menschen Tiere als Material bezeichnen und es dabei so klingt, als ob sie von Schrauben oder Autos sprechen. Oft ist dieser mangelnde Respekt vor Lebewesen ein Hinweis für einen achtlosen Umgang mit Tieren und der Umwelt. Auch die Gentechnik in der Landwirtschaft ist für mich ein Resultat für die Missachtung der Natur und ihrer Gesetze. Die Unterwerfung der Natur durch die Technik ist die Grundmotivation dieses Irrwegs.
Diese und weitere Gedanken gehen mir durch den Kopf, als ich den Vogel mit Suppengemüse, Lorbeerblättern, Thymian, Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch, Pfefferkörnern, Weißwein und kaltem Wasser auf das Feuer stelle.

Juris

3 Stunden köcheln auf kleiner Flamme bündelt eine Menge Energie im Topf. Deshalb soll Hühnersuppe besonders gesund sein. Einen wissenschaftlichen Beleg hierfür gibt es meines Erachtens aber nicht. Nach Beendigung des Kochvorgangs trenne ich die Flüssigkeit von den festen Stoffen und studiere die Anatomie des Suppenhuhns. Ein Knochen nach dem anderen wird seziert und blank gelegt.

Den goldgelben Fond reichere ich mit frischem Gemüse an. Kartoffeln, Lauch, Brokkoli, Petersilienwurzel und Möhren koche ich vorsichtig gar. Das ausgelöste Hühnerfleisch und gehackte Petersilie vervollständigen meine Kraftsuppe.

Dazu probierte ich den 2006-er Chardonnay Altenberg (9 €) vom Weingut Juris aus Gols am Neusiedlersee. Der Wein ist im großen Holzfass vergoren und lagerte danach 6 Monate auf der Hefe. Im Glas präsentiert er sich strohgelb, in der Nase Netzmelone und Heublumen. Sehr saftig mit leckerer, an Nashi erinnernde Fruchtsüße. Feines Säurespiel, ordentliche Länge. 13,5 % Alkohol, 6,2 Gramm Restzucker und der konzentrierte Extrakt sprechen für sehr hochreifes und erstklassiges Lesegut.
Zur kräftigen Hühnersuppe zeigt sich der Chardonnay als ein durchaus gefälliger Gespiele. Nach einem Glas tritt aber schon eine deutliche Sättigung ein. Aber es ist ja auch noch genug Suppe da für die nächsten Tage.

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Der Schreiber

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Lars Breidenbach
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Frisch kommentiert

*kommentar verfass* Schöne...
*kommentar verfass* Schöne Bilder von eigentlich...
Nielsson - 24. Jul, 09:03
...
Ich find´s auch immer wieder lustig anzusehen,...
Jens unterm Sonnensegel (anonym) - 22. Jul, 09:21
Klasse!! Toll eingefangen!
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Thomas (anonym) - 20. Jul, 00:38
Ein Winzer, ein Jahrgang,...
könnte einer meiner näcsten Artikel heißen:-). Ich...
Iris (anonym) - 18. Jul, 11:33
Wirklich ein informativer...
Wirklich ein informativer Beitrag, für mich als...
Florian (anonym) - 16. Jul, 21:23

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