Fein, feiner, FINE?
Heute flatterte mir unaufgefordert die deutschsprachige Erstausgabe des European Fine Wine Magazine in den Briefkasten. Was soll ich dazu sagen? Es ist allgemein bekannt, dass die oberen Zehntausend mittlerweile die oberen Hunderttausend sind, bei gleichzeitigem Schwund der Mittelschicht und rapidem Wachstum der Unterschicht. Überspitzt formuliert bleibt uns in naher Zukunft nur noch die Wahl zwischen Aldi-Wein und Château Petrus. Somit könnte FINE durchaus ein feiner Erfolg werden. Soweit meine streng trocken-analytische Sichtweise.

Feines FINE: Schlossbesitzer (vor Schloss) machen Weine für Schlossbesitzer
Als fühlender Mensch überkommt mich beim ersten Durchblättern allerdings das kalte Grausen. Die ersten vier (!) Doppelseiten des FINE Weinmagazins sind Werbeanzeigen für Luxusgüter: ist die erste noch voll prollig vom neuen 5-er BMW belegt, wirbt die vierte schließlich -endlich standesgemäß- für fette Motoryachten. Es folgen massenhaft per Computer sterilisierte Fotos von Schlössern, Schlossbesitzern und coolen Fotomodellen, die noch auf ein Schloss sparen. Das einzig mir sympathische Gesicht ziert bezeichnenderweise eine Bierwerbung. Der wohlbeleibte Herr ist ja auch Chef der Sylter Sansibar, in der es immerhin auch Currywurst gibt oder zumindest einmal gab - noch dazu eine richtig gute.
Da bleibe ich hübsch hartnäckiger Verfechter einer gesunden Mittelschicht. Zumindest solange es geniale wie erschwingliche Weine auch für Bewohner von schlichten Mietwohnungen gibt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Feines FINE: Schlossbesitzer (vor Schloss) machen Weine für Schlossbesitzer
Als fühlender Mensch überkommt mich beim ersten Durchblättern allerdings das kalte Grausen. Die ersten vier (!) Doppelseiten des FINE Weinmagazins sind Werbeanzeigen für Luxusgüter: ist die erste noch voll prollig vom neuen 5-er BMW belegt, wirbt die vierte schließlich -endlich standesgemäß- für fette Motoryachten. Es folgen massenhaft per Computer sterilisierte Fotos von Schlössern, Schlossbesitzern und coolen Fotomodellen, die noch auf ein Schloss sparen. Das einzig mir sympathische Gesicht ziert bezeichnenderweise eine Bierwerbung. Der wohlbeleibte Herr ist ja auch Chef der Sylter Sansibar, in der es immerhin auch Currywurst gibt oder zumindest einmal gab - noch dazu eine richtig gute.
Da bleibe ich hübsch hartnäckiger Verfechter einer gesunden Mittelschicht. Zumindest solange es geniale wie erschwingliche Weine auch für Bewohner von schlichten Mietwohnungen gibt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
LarsB - 8. Mai, 00:53





Am schlimmsten hat es die Harz-IV-Nehmer getroffen, die sich eigentlich gar keinen Wein mehr leisten können, weil sie das Geld für den Schulranzen der Kinder sparen müssen. Da lastet man Menschen eine monetäre Vernunft auf, die selbst Besserverdienende kaum einzuhalten schaffen. Das geht natürlich meistens schief und hier von einer echten Unterschicht zu sprechen, halte ich für zwingend, denn alles andere verschleiert das Problem.
Das allerschlimmste daran ist, finde ich, dass uns das ganze eine sozialistische Regierung eingebrockt hat. Da bin ich immer noch sprachlos (und Wahl-los) drüber. Und manchmal schmeckt mir dann noch nicht einmal mehr der Wein.
Aber wohin?
Derzeit müssen unbedingt die Bedingungen der Harz-IV-Leute verbessert werden, dass sie wieder Zusatzanträge für außergewöhnliche Belastungen stellen können: Waschmaschine, eben Schulranzen oder Kinderfreizeit. Die Volksvertreter sollten öfters mit Alleinerziehenden reden, die keinen Job bekommen, oder hin- und wieder eine Obdachlosenzeitung lesen. Unsere immer noch sehr reiche Gesellschaft verlässt derzeit den humanen Weg.
Der humane Weg